Bericht: Dörthe Lemme / insuedthueringen.de, Foto: Michael Bauroth
Baran Demir aus Zella-Mehlis steckt mitten im Freiwilligen Sozialen Jahr im Freizeittreff. Nie hätte er geahnt, dass es ihn so prägen würde. Der Großteil des Freiwilligen Sozialen Jahres im Freizeittreff Zella-Mehlis liegt hinter Baran Demir. Eine Zeit voller ungeahnt wichtiger Erfahrungen für ihn.
Ein wenig anders hat sich Baran Demir sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Kinder- und Jugendfreizeittreff Zella-Mehlis schon vorgestellt. Besonders die Vormittage. Er hat einfach gar nicht daran gedacht, dass am Vormittag alle kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Treffbesucher noch in der Schule sind und all das, was ihnen angeboten wird, irgendwie auch vorbereitet werden muss. Und er hat auch nicht damit gerechnet, dass damit so ein Aufwand verbunden ist. Die Vormittage gehören deshalb Besprechungen und der Büroarbeit. Auch für Baran, der seit September 2024 als FSJler das Treff-Team unterstützt.
Die richtige Entscheidung
„Absolut die richtige Entscheidung“, antwortet er trotzdem ganz spontan auf die Frage, wie ihm die Zeit bisher gefällt. „Ich kann das nur empfehlen“, schiebt er hinterher. Auf das Warum hat er gleich mehrere Aspekte parat, die ihm sehr wichtig sind. Natürlich spielt dabei der Spaß an dem, was man tut, eine große Rolle. Den hat er auf jeden Fall. „Und dann sind da neben den vielen Kindern, die alle unterschiedlich sind, Josi, Galina und Michi, die mich fördern, in die Arbeit einbeziehen und mir zugleich aber auch freie Hand lassen“, fühlt sich Baran angekommen und gebraucht. Ein tolles Team, nennt er die Stammbesatzung, die ihm wiederum ständige Grenzerweiterungen ermöglicht.
Völlig ins Gegenteil verkehrt
Dazu gehört tatsächlich auch die Arbeit am Computer, „die anfangs gar nicht so mein Ding war. Mittlerweile finde ich sie sogar richtig cool“, hat sich innerhalb nur weniger Monate Barans Meinung ins Gegenteil verkehrt. So ist er längst fit darin, Touren zu planen für Ausflüge mit dem Rad, Plakate für Veranstaltungen zu erstellen oder Texte für die Chronik zu schreiben, wenn ihm vorher gesagt wird, worauf es dabei ankommt.
Mal Kumpel-Typ, mal der Autoritäre
In der Mittagszeit trudeln erste Kinder ein. Anfangs jüngere, dann die älteren. Meistens geht es raus, Tischtennis, Basketball oder Fußball spielen. Ist das Wetter zu arg, werden drinnen Karten oder Spiele ausgepackt. „Das Versteckspielen wurde irgendwann zu wild“, lacht Baran. Und natürlich wird auch sehr oft über Gott und die Welt gequatscht. Barans Aufgeschlossenheit und seine Jugend machen auch ihn zum prädestinierten Ansprechpartner. Gerade selbst zwölf Jahre Schule beendet, ist er nah an den Kindern, ihren Sorgen. Meistens ist er Kumpel-Typ, manchmal aber auch der Autoritäre, was ihm selbst nicht ganz koscher erscheint. „Es gibt einfach Situationen, mit denen ich schwer umgehen kann“, sagt er und meint Kinder, die in Tränen ausbrechen. „Es beeindruckt mich, wie ruhig Josi damit umgeht. Auch dann schaue ich mir besonders viel von Michaela und Josi ab, auch wenn sich das nicht immer gut anfühlt.“
Kein Tag wie der andere
Für Baran ist trotz der Strukturen und des Rahmens kein Tag wie der andere. „Hier muss ich sogar basteln und mich um Hochbeete kümmern“, lacht er wieder. „Nie hätte ich geglaubt, dass ich daran einmal Spaß haben würde“, sammelt er ständig neue Erfahrungen. Die größte ist wohl die Entdeckung, dass er sich in den vergangenen Monaten selbst verändert hat. „Das merke ich besonders an meinen Freunden, die noch immer manches belächeln, was auch ich früher machte. Ich glaube, ich habe einen offeneren Blick bekommen, habe gelernt, vieles aus mehreren Perspektiven zu betrachten“, schätzt Baran ein. „Hat mich früher ein nerviges Kind auch nur genervt, so ist es mir jetzt wichtig zu wissen, warum das so ist und wie das geändert werden kann.“ Nie hätte Baran gedacht, dass ihn die bisherigen zehn Monate so weit bringen würden. Nie hätte er geglaubt, das ein Jahr so schnell vergehen würde. Und schon gar nicht, dass abends nach einem Arbeitstag die Batterien leer sein können und er freiwillig so zeitig wie nie zuvor im Bett verschwinden würde.
Die Zukunft wesentlich fester im Blick
Eine Freundin, die zuvor ihr FSJ im Treff absolvierte, hatte während ihrer Zeit immer wieder von ihren zwölf Monaten berichtet. Das faszinierte Baran und bestärkte seinen Entschluss, ein FSJ zu absolvieren. Nach der Schule noch völlig im Unklaren, wie es weitergehen könnte, steht nun für ihn fest, dass er alles daran setzen möchte, Soziale Arbeit in Jena zu studieren. Ein Tag der offenen Tür gab ihm zusätzlich ein gutes Gefühl. Inzwischen ist er dabei, mit einem Freund eine Wohnung zu suchen. Die Zeit im Treff bringt ihn auf jeden Fall auch einen Schritt weiter in Richtung seines gefragten Studien-Ziels, das auch vielen anderen sehr interessant zu sein scheint. Ebenso die Seminare, die er gerade absolviert.
Wichtige Sicherheiten
Am meisten hat ihn dabei die Erlebnispädagogik begeistert. Bereits gern im Kinder- und Jugenddorf „Regenbogen“ war er bei den Aktionen der Outdoor-AG dabei, zelten, wandern, schnitzen, klettern – „auch wenn es für mich ab einer gewissen Höhe nie weiter ging.“ 19 Jahre alt ist Baran heute alt, das Regenbogendorf ist seit seinem zweiten Lebensjahr sein Zuhause. „Ich bin froh, dass es mir das auch während der FSJ-Zeit ist, sonst hätte ich es mir bei 350 Euro kaum leisten können“, hat sich sowohl die finanzielle Sicherheit, als auch die weitere Begleitung als zusätzliche Stütze auf die FSJ-Entscheidung ausgewirkt.
FSJ-Stelle ist noch frei
Die Stadtverwaltung Zella-Mehlis bietet seit vielen Jahren jungen Menschen die Möglichkeit ein FSJ zu absolvieren sowohl in der Stadt- und Kreisbibliothek als auch im Kinder- und Jugendfreizeittreff. Für das kommende Ausbildungsjahr ist die Stelle im FZT noch frei. Interessierte können sich direkt beim Team melden.